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Everybody dies but me
von Valeria Gaia Germanica
Eine anscheinend harmlose Disco ist es, die die Schulleiterin zu Beginn des Films ankündigt. Doch kann ein solches Ereignis für drei vierzehnjährige Mädchen harmlos sein? Besonders dann, wenn es, wie für Katya, Vika und Janna, die erste Disco überhaupt ist? Die drei sind Freundinnen. Sie beerdigen zusammen Vikas Katze und das Mädchen opfert ihr die (noch lebenden) Goldfische ihres Vaters. Sie sehnen sich nach einem Freund, besonders Katya, die mit ihren Eltern, die sie auch einmal verprügeln, nicht zurechtkommt. In der Schule lenkt sie die Lehrerin ab und wirft der ratlos vor der Tafel stehenden Vika einen Spickzettel zu. Im darauffolgenden Streit mit der Lehrerin beleidigt Katya diese und verlässt die Klasse. Vika und Janna folgen ihr und die drei legen einen Schwur ab: Sie versichern sich ihrer Freundschaft und sie versprechen sich, sich niemals einander den Freund auszuspannen. Doch alles kommt natürlich anders. Als Katya am nächsten Tag nicht im Unterricht erscheint, wird die ganze Schule bestraft: Die Disco droht auszufallen. Vika und Janna erhalten in der Schultoilette wenig zimperliche Drohungen von anderen Mädchen, sie sollten zusehen, dass ihre Freundin nicht noch mehr Schaden anrichte. Vielleicht ist dies der erste Vertrauensbruch: Vika teilt Katya, die vor ihren Eltern zu ihr geflohen ist, mit, dass sie nicht länger bei ihr bleiben könne. Katya bleibt keine andere Wahl, als wieder nach Hause zu gehen. Der rabiate Vater, klein, dick, mit Bart und
Pferdeschwanz, reagiert jedoch unerwartet: Er verspricht, Katya nicht
anzufassen. Schlimmer, er begleitet sie von nun an jeden Tag zur Schule
und holt sie dort auch wieder ab. Für diese bricht ob dieses Verrates eine Welt zusammen und es ist absehbar, was geschieht: Sie geht zwar allein zur Disco, auf der Suche nach einem Halt, aber nichts läuft schließlich so, wie sie es erwartet. Dies betrifft auch ihre Freundinnen: Vika muß letztendlich von ihren Eltern abgeholt werden, Janna scheint als einzige das gefunden zu haben, wonach sie sich gesehnt hat. Aber auch dieses Glück besitzt im Zusammenhang des Films mehr als einen nur schalen Nachgeschmack. Am Ende sitzt Katya bei ihren Eltern am Tisch. Sie ist, da sie von der Schulschönheit zusammengeschlagen wurde, voller Blut. Als ihre Eltern ihr sagen, dass sie sie lieben, antwortet das Mädchen, dass sie sie nicht liebe. Katya, Vika, Janna: Obwohl die Symphatien ganz bei Katya liegen, erscheint auch sie, wie ihre Freundinnen, kalt und berechnend. Es ist eine Welt voller untergründig brodelnder Emotionalität, die die Regisseurin Valeria Gaia Germanica entwirft, aber auch eine Welt, in der, obwohl alle nach ihr suchen, kein Platz zu sein scheint für so etwas wie Liebe. Hin und wieder blitzt in der Geschichte ein Funken Humor auf, und diese Momente, wie auch die Sympathie, die der Film trotz allem besonders für Katya beweißt, verleihen der Geschichte eine gewisse Leichtigkeit. Die Disco ist letztendlich das letzte Schlachtfeld des Alltags, der Ort des erhofften Glücks, der Punkt, an dem hoffnungslos alle Sehnsüchte enden, aber, was auch geschieht, nicht sterben. „Everybody dies but me“ sagt die arg mitgenommene Katya am Ende des Films, geht in ihr Zimmer und setzt sich in eine Ecke. Irgendwie wird es weitergehen.
Gesehen von Paul Mittelsdorf |
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