Wie das bei den Medienleuten so ist, begann das 23. Internationale
Festival der Filmhochschulen in München, zu spät. Gut für uns,
da auch wir durch S-Bahn-Verspätung und anderen Zwischenfällen ein wenig
aufgehalten wurden.
Endlich angekommen, wurde das Festival auch gleich mit mehreren Reden,
auf deutsch mit englischen Übersetzungen, eröffnet. Der Hauptredner war
neben Andreas Ströhl und Andreas Gruber, der als geschäftsführender
Professor der Abteilung Film und Fernsehen an der Hochschule München die
künstlerische Leitung des Festivals übernimmt, der Intendant des
Bayerischen Rundfunks, Prof. Thomas Gruber. (Alle drei betonten, dass sie
weder verwandt noch verschwägert seien.) Besonders hervorgehoben wurde das neue Konzept, das einige Änderungen mit
sich bringt. Der Schwerpunkt liegt nicht mehr ausschließlich auf
europäischen Hochschulen. Filme, die außerhalb Europa produziert wurden,
werden dieses Jahr zum ersten Mal nicht nur in Sonderreihen vorgeführt,
sondern in das reguläre Programm integriert. Zum ersten Mal laufen auch die
deutschen Produktionen im allgemeinen Wettbewerb und nicht in einem eigenen,
was laut Andreas Gruber nur zur Stärkung des Selbstbewusstseins der
deutschen Studenten beitragen kann. Ein eigener Wettbewerb und damit eine
Abgrenzung sei nicht nötig, da man auch international bestehen
könne. Auch kehrt das Festival zu seinem alten Datum zurück. So erhofft man sich,
dass es zum wichtigsten Münchner Ereignis im November wird, jetzt wo es
nicht mehr nur "die Juniorausgabe eines A-Festivals" ist und
wieder aus dem Schatten des Münchner Filmfests rückt.
Markus Aicher (Kinoredakteur des
Bayrischen Rundfunk), Prof. Andreas Gruber (künstlerischer Leiter des
IFFH) und Andreas Ströhl (Geschäftsführer des
Festivals)
Doch sollte man nicht vergessen, dass das Festival nicht nur ein
Wettbewerb, sondern vor allem Ort der Begegnung zwischen Kulturen,
Generationen, Filmschaffenden und Publikum ist. Thomas Gruber sieht es als
"Trüffelschwein, dass die Größen von morgen entdeckt" und in
den Blickpunkt der Öffentlichkeit rückt, da man ansonsten von den
Abschlussfilmen der Studenten nicht viel sieht und hört. Interessant ist es
für ihn, da die Geschichten die in den Filmen erzählt werden aus der Welt
und der Perspektive der Studenten sind und so nicht nur massentaugliche
Filme gezeigt werden. Damit brachte er die Intention des Hochschulfestivals
auf den Punkt: "Wir möchten das ganze Spektrum vorstellen, vom
Publikumsrenner bis zu den schrägen, spannenden Versuchen".
Als letztes betrat Luigi Falorni, einer der beiden Regisseure des
Eröffnungsfilms "Die Geschichte vom weinenden Kamel", die Bühne.
Er sprach darüber, wie er während seiner Zeit an der Hochschule immer
wieder zu den Filmschulfestivals gegangen ist, um aus den Vorführungen
Ideen zu ziehen. Als letztes berichtete er, wie schwer es war den Film auf
die Beine zu stellen: "Wenn man an etwas glaubt und dafür kämpft,
ganz hart, dann reicht das immer noch nicht. Man brauch Glück, und während
man auf das Glück wartet, muss man durchhalten."
Regisseur Luigi Falorni
Die deutsche Dokumentation, von Byambasuren Davaa und Luigi Falorni, beide
Studenten der Hochschule für Fernsehen und Film München, hat eine
erstaunliche Geschichte hinter sich. Gedacht als 15minütige Kurzdoku über
das Leben einer Familie, die in der Wüste Gobi in der Mongolei lebt und
Kamele und Schafe züchtet, schaffte der Film es zu einem abendfüllenden
Kinofilm. Jetzt wurde "Die Geschichte vom weinenden Kamel" für
den Europäischen Filmpreis 'Felix' nominiert und wird bereits als
erfolgreichste Dokumentation des Jahres gehandelt.
Anschließend fand die Eröffnungsfeier in den benachbarten ARRI-Studios
statt, was einen ersten Austausch zwischen Studenten untereinander und
Publikum bei gutem Essen, Trinken und Musik ermöglichte.