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Das Internationale Festival der Filmhochschulen 2009 bietet ein breites Feld an Filmen sowie ein dichtes Programm. 61 Filmen gepackt in 10 Programmblöcke. Wir waren unterwegs um uns einen Einblick in das diesjährige Festival zu verschaffen. Hier sind Gedanken zu den von uns gesehenen Filmen.
Bean Sprout Project
von Park Chul Soon (DIMA, KOR)Es wird die Geschichte von drei koreanischen Schülern erzählt, die von ihrer Lehrerin folgende Hausaufgabe bekommen: Sie sollen eine Kidney-Bohne zum Sprießen bringen. Wer den größten Keim mitbringt wird zum Naturwissenschafts-Chef ernannt. Das Mädchen Da-sul möchte diesen Titel unbedingt haben. Die beiden rivalisierenden Jungs Sang-gu und Jun-tae nutzen diese Gelegenheit um Da-sul für sich zu gewinnen. Während Jun-tae, Sohn einer reichen Familie, versucht sich die Zuneigung Da-suls durch spezielle südamerikanischen Riesenbohnen zu erkaufen, scheint der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Sang-gu hoffnungslosen unterlegen. Doch als Spätfolge aus einem rivalisierenden Bohnenweitschießens der beiden Jungs, stellt sich heraus, dass Sang-gu unwissend über eine Geheimwaffe verfügt. Park erzählt mit faszinierender Hingabe klar, deutlich und mit einem gewissen kindlichen Charme eine amüsante Geschichte. Die Charaktere sind sehr glaubhaft. Park schafft es den Zuseher in die Welt der Kinder zu ziehen und Sympathie für den Protagonisten zu erzeugen. Eine gut erzählte Geschichte mit Charakteren zum gernhaben. Besonders beeindruckend fanden wir die Bohnenweitschieß-Szene mit dazugehörigen Pistolen Soundeffekten. gesehen von Ronald ERNST Hardcover & Paperback
von Uri Alonim & Moshe Servatka (BAAD, ISR)Hardcover trifft auf Paperback. Es wird die Geschichte der beiden Origami Figuren in einer liebevoll gestalteten Welt aus Papier im Schnellverfahren erzählt. Erstes Date, Heirat, Flitterwochen, Betrug, Krankheit, Tod. Der Diplomfilm der beiden BAAD Abgänger ist ihr erster 3D Animationsfilm. Erfahrungen sammelten sie bereits in zahlreichen Stop-Motion Projekten und möchten auch zukünftig in diese Richtung arbeiten obwohl ihnen ihr Debüt im 3D Bereich hervorragend gelungen ist. Erwähnenswert sind neben dem technischen Aspekt auch die Musik und das Sounddesign. Das Micky-Mousing und die fröhlich gestimmten Pfifflaute in der Komposition verhelfen dem Film zu einem ein sehr lustigen und lockeren Flair. Ein amüsanter und technisch hochwertig gemachter 3 Minuten Kurzfilm, den man wahrscheinlich auch öfter ansehen kann, lediglich die Story war etwas vorhersehbar. gesehen von Ronald ERNST Dolce Vita
von Michael Schwarz (AFBK, GER)Eine interessante und etwas andere Dokumentation über einen deutschen Swingerclub. Was anfangs etwas irritierend erscheint, gewinnt mit der Zeit jedoch an Charme, denn Michael Schwarz zeigt keine Menschen in seinem Film. Alles was der Zuseher zu sehen bekommt sind statische Shots vom Interieur des Clubs. Der interessante Teil ist das Interview das zu hören ist. Schwarz spielt mit der menschlichen Vorstellungskraft, so zeigt er beispielsweise auch teilweise schwarzen Screen mit Atmogeräuschen aus dem Club und meint, dass dies viel wirksamer wäre als wirklich die Szenerie zu zeigen. Eine interessante Sichtweise welche zu einer unterhaltsamen und überraschend spannenden Dokumentation führt. Lediglich beim Aufnahmeformat erlaubte sich Schwarz einen Fauxpas, denn es ist nicht zwingend notwendig für einen "dreckigen" 8mm Look auf hochauflösendem HD aufzunehmen, nur um es in der Postproduktion wieder "dreckig" aussehen zu lassen. gesehen von Ronald ERNST My Four Inch Precious
von Sou Yun Sim (FSU, USA)Es war einmal eine arme Frau, die sich nichts sehnlicher wünschte als ein kleines Kind. Da bekam sie von einer alten Hexe einen Samen geschenkt, aus dem eine wunderschöne Blume wuchs. Als sich nun eines Tages die Blüte öffnete, fand die Frau darin ein winziges Mädchen, das sie von da an Däumelinchen nannte. Jeder kennt dieses klassische Märchen von Hans Christian Andersen, doch was wäre nun, wenn das kleine Däumelinchen nicht zu einer armen, einsamen Frau, sondern zu einem etwas schüchternen, amerikanischen Junggesellen gekommen wäre? Genau diese Frage stellte sich auch Sou Yun Sim. In gerade einmal zehn Minuten erzählt die junge Regisseurin ihre eigene rührende, witzige und auch tragische Variante des bekannten Märchens. Mit wenigen Ressourcen gelang es ihr nicht nur diese kurze, mitreißende Geschichte zu erzählen, sondern auch Spezialeffekte zu erzeugen, die sich auf der großen Kinoleinwand durchaus sehen lassen können. Wir dürfen gespannt sein, was uns Sou Yun Sim in Zukunft noch alles präsentieren wird. gesehen von Mark Zaschka Soft Skills
von Max Fey (HFF, GER)Wer sich heutzutage bei einer Firma bewirbt, der braucht soziale Kompetenz. Das heißt Ausstrahlug, Motivation, Eigenveranwortung, Teamfähigkeit, Menschenkenntniss, Engagement und und und. Kurz, er braucht Soft Skills. Paul, der arbeitslose Junggeselle und Protagonist von Max Feys Kurzfilm, muss beweisen, dass er genau die hat. Er bewirbt sich gerade für eine Stelle bei einer Firma und hat es immerhin schon unter die letzten paar Bewerber geschafft. Doch zurzeit beschäftigt ihn mehr der Gedanke an seine Nachbarn Sascha und Michelle, deren Auseinandersetzungen er jede Nacht durch die dünnen Wände seiner kleinen, schmucklosen Wohnung mithören kann. Als der Streit zwischen den beiden eines Nachts eskaliert, beschließt Paul einzugreifen. Soft Skills kann vor allem durch seine Darsteller und die Nähe zum Geschehen überzeugen. Max Fey und sein Team sorgen durch die einfache Erzählweise und die leicht wacklige Kameraführug für den Eindruck als stünde der Zuschauer selbst neben den Figuren des Films. gesehen von Mark Zaschka Time Within Time
von Menno Otten (NFTA, NED)Ein wenig verwirrt starrt man als Zuschauer in die ausdruckslosen Gesichter der Leute auf der großen Leinwand. Hin und wieder huscht ein verschwommener Umriss vor der Kamera vorbei und nimmt einem für den Bruchteil einer Sekunde die Sicht. Im Hintergrund sind die Geräusche einer Großstadt zu hören. Man befindet sich offensichtlich an einer Bushaltestelle. Nach ein, zwei Minuten erscheint ein neues Gesicht auf der Leinwand, das genauso emotionslos ins nichts starrt. Und so geht es immer weiter. Spätestens ab der Hälfte des Films stellt man sich unweigerlich die Frage, was das ganze soll. Nach einer Viertelstunde verliert man sich schließlich so in seinen eigenen Gedanken, dass man den Film gar nicht mehr wahrnimmt, obwohl man doch die ganze Zeit auf die Leinwand blickt. Wie die Leute an der Bushaltestelle driftet man immer mehr in seine eigene Welt ab und bemerkt dabei gar nicht, dass ein monotoner, atmosphärischer Sound, der nun die Geräuschekulisse der Stadt abgelöst hat, einen noch tiefer in diesen Trancezustand versinken lässt. Hat man die 20 Minuten schließlich überstanden und erwacht aus seinem Halbschlaf, hält man den Film womöglich erstmal für das Langweiligste was man je gesehen hat. Doch genau das wollte Menno Otten ja erreichen. Er zeigt uns hier keinen Film im klassischen Sinne, sondern möchte, dass der Zuschauer genau wie die Leute, die er (ohne deren Wissen) gefilmt hat, jedes Gefühl für Zeit verlieren und in ihren eigenen Gedanken versinken. So besticht „Time Within Time“ vielleicht nicht durch eine durchdachte Story, oder ausgefallene Kameraführung, doch der Regisseur beweist hiermit durchaus seine Kreativität und quasi auch seine Macht über das Publikum. gesehen von Mark Zaschka Space Monkeys
von Jan Rahbeck (DDF, DEN)Könnte Pixar bald Konkurrenz bekommen? Der animierte Kurzfilm aus Dänemark konnte zumindest schon das Publikum auf dem diesjährigen IFFH vollends überzeugen. Der Film erzählt die Geschichte zweier Affen, die mit ihrem Raumschiff auf einem fremden Planeten Landen um dort eine Probe zu entnehmen. Ein schneller, unkomplizierter Auftrag, so scheint es jedenfalls. Schwerbewaffnet und auf alles gefasst, machen sich die beiden daran ihre Mission zu erfüllen. Zunächst läuft auch alles glatt, aber ganz so einfach wird ihr Auftrag dann doch nicht. Bevor sie sich nämlich wieder auf den Heimweg machen können, müssen sie sich erst in bester Slapstick Manier mit den verschiedensten Lebewesen des fremden Planeten, im wahrsten Sinne des Wortes, herumschlagen. Ein Film, der einen weder zum nachdenken anregt, noch ein besonders ausgefallenes oder künstlerisches Konzept verfolgt, sondern ein Film, der einen mit gelungenen Animationen, witzigen Dialogen und einfachem Humor im Stile klassischer Cartoons gut unterhält. Ein rundum gelungenes Werk aus Dänemark. gesehen von Mark Zaschka Take It
von Jang Se Yong (DIMA, KOR)Ein alter Herr und seine junge Enkelin sitzen in einem Zug unterwegs nach Werweißwohin. Sie blättert gelangweilt in einigen alten Schriften und er blickt mürrisch auf die übrigen Leute im Abteil. Beide tragen altmodische, koreanische Kleidung und wirken unter all den anderen Passagieren beinahe so, als kämen sie aus einer fremden Welt. Doch die jungen Leute um sie herum beachten die beiden gar nicht und scheinen auch nicht zu bemerken, dass ihr Benehmen den alten Mann langsam zur Weißglut bringt. Haben sie keinen Respekt vor der älteren Generation? Oder ist ihnen einfach nicht bewusst, dass sie sich offensichtlich respektlos verhalten. Nach einer Weile wird es dem alten Mann zu viel und er beschließt ihnen eine Lektion zu erteilen. Doch wie diese Lektion aussieht, damit haben wohl weder die Leute im Film, noch die Zuschauer im Kino gerechnet. Was dachte sich Jang Se Yong, als er diesen Kurzfilm drehte? Wollte er den Generationskonflikt in Korea darstellen? Wollte er zeigen, dass die heutige Jugend sich nichts mehr aus alten Werten und Traditionen macht? Nein, eigentlich nicht. Laut eigener Aussage wollte er nur eine Geschichte erzählen, die die Leute zum lachen bringt. Und das ist ihm auch gelungen. So steckt keine tiefgründige Botschaft hinter allem, sondern einfach nur ein guter Witz und einige Mittel zum Zweck um diesen zu erzählen. gesehen von Mark Zaschka Baby
von Lluís Segura (ESCAC, ESP)Eine zunächst einmal typische Geschichte, wie man sie schon aus unzähligen Filmen kennt. Die Beziehung eines jungen Paares, die mit der Zeit immer mehr in die Brüche geht, bis es schließlich zur dramatischen Trennung und der obligatorischen Versöhnung kommt. Ein einfaches Konzept, das in unzähligen Filmen wieder und wieder verwendet wird. Auch der Kurzfilm des Spaniers Lluis Segura behandelt dieses Thema, allerdings mit einem kleinen, aber doch feinen Unterschied. Das Paar besteht nämlich aus zwei Kindern, die kaum älter als fünf Jahre sein dürften. Und ihre Beziehung ist nur ein Spiel. Allerdings ein sehr überzeugendes, denn der Regisseur lässt seine zwei Protagonisten wie Erwachsene agieren und sprechen, was dem Ganzen einen sehr komischen Unterton verleiht. Ein amüsante Geschichte, die trotz ihrer eher schrägen Darstellung nie ins Lächerliche abdriftet. Der Film wirkt mehr wie eine Parodie des klassischen Liebesfilms und ist, nicht zuletzt dank seiner zwei brillianten Darsteller, ein gelungens und originelles Werk. gesehen von Mark Zaschka Iron & Butterfly
von Dominik Hartl (UMDK, Aut)
Wie passt Kunst und Schönheit in eine Welt des Krieges und der Zerstörung.
Dieser Film setzt sich mit diesem Thema auf seine ganz eigene, sehr künstlerische
Art und Weise auseinander und kommt dabei ohne Worte aus. Fünf
junge Soldaten verschanzen sich in einem verlassenen und verwüsteten Theater.
Sie durchkämmen die Räumlichkeiten vorsichtig bevor sie sich niederlassen. Nur
einer der Soldaten bleibt wie angewurzelt in der verfallenen Garderobe des
Theaters stehen, als er das Opernkostüm der Madame Butterfly, entdeckt. Es
folgen einige Einstellungen, die seine, vom Krieg gezeichneten und erschöpften,
Kameraden zeigen. Plötzlich werden sie von ihrem Soldatenkollegen überrascht,
der in Madame Butterfly-Robe und weiß geschminkt, wie in Trance durch den Raum
tanzt. Seine Performance nimmt ein tragisches Ende nachdem er zum krönenden
Abschluss seinen Vorgesetzten küsst. Hartl erzählt
die Geschichte sanft, stimmungsvoll und sehr eindringlich. Die Kameraführung
die gut ausgewählte Kulisse und vor
allem das erhabene Spiel des Protagonisten, in Verbindung mit der Fähigkeit
Hartels dieses einzufangen, machen Iron & Butterfly zu einem siebenminütigen
filmischen Kunstwerk. gesehen von Lion Bischof Boxer
von Michael Latham (VCA, AUS)Gary, ein durchschnittlicher Mann im mittleren Alter, arbeitet in einem riesigen Warenlager. Er ist pflichtbewusst, zuverlässig und verrichtet seine Arbeit mit einem Eifer, den man nur vorbildlich nennen kann. Eines Nachts erregt ein Karton, der mittem in einem der Gänge steht, seine Aufmerksamkeit. Der Karton scheint zunächst einmal leer zu sein, jedenfalls wurde sein Inhalt wahllos auf dem Boden verteilt. Doch als Gary die vorschriftswidrig abgestellte Box näher untersucht, macht er eine seltsame Entdeckung. Einer seiner Kollegen sitzt darin und macht keine Antsalten herauszukommen. Gary ist mit der Situation ein wenig überfordert und beschließt Verstärkung zu holen. Was bewegt einen Menschen dazu in einen Karton zu steigen? Um von seinen Mitmenschen nicht mehr gesehen zu werden? Oder um sich generell eine Auszeit zu nehmen? Michael Lathams philosophische Komödie verrät es jedenfalls nicht. Boxer überzeugt mit gelungenen Gags, guten Schauspielern und einer interessanten Mischung aus Humor und Melancholie, die einen wirklich nachdenklich macht. gesehen von Mark Zaschka Subtitle Girl
von Goncalo Soares (ESTC, POR)Louis steht auf, raucht seine letzte Zigarette und beschließt kurzerhand eine neue Packung kaufen zu gehen. Wir begleiten Louis durch seine morgendliche Routine. Rasieren, Zähneputzen, Frühstücken. Auf dem Nachhauseweg überkommt Louis ein komisches Gefühl, er hat den Verdacht krank zu sein und fährt zum Arzt. Es stellt sich heraus, dass es sich bei dem Gefühl um Sehnsucht nach Liebe handelt und so beschließt Louis sich zu verlieben, er weiß nur noch nicht in wen. Als er schließlich später am Tag ins Kino geht und einen französischen Film mit Untertiteln sieht, ist er von der Übersetzung so begeistert, dass er sich ein Traumbild von einer Übersetzerin ausmalt und sich in diese verliebt. Louis fasst den festen Entschluss dieses Mädchen zu finden. Goncalo Soares erzählt auf charmante und witzige Art und Weise eine Geschichte über die Suche nach Liebe. Der Absolvent des Montagestudiengangs versteht sein Handwerk, denn vor allem der Schnitt kann bei Subtitle Girl überzeugen. Besonders gut gelungen ist ihm Sequenz von Louis Morgenroutine, welche durch den Einsatz von Jump Cuts realisiert wurde. Soares versucht mit diesem Film, im Gegensatz zu seinem vorherigen Werken, in eine narrative Richtung zu gehen um einen Film zu machen, den wie er uns in einem Interview verrät, auch seine Eltern verstehen. gesehen von Ronald ERNST
zum Festivalbericht und den Preisträgern hier... |
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