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Freie Mitarbeiter im freien Fall?Wie sind sie, die Aussichten für freie Mitarbeiter? Wie sieht es aus in der Journalistischen Praxis? Sind sie die von der Regierung umschwärmten Ich - AGs? Die Medienbranche steckt in einer Krise, einige sehen schon wieder vorwärts, andere meinen, dass das Tief über Branchenteile erst noch hereinbricht. Erörtert und Diskutiert - Marktsituation der Medien
Der "Bayerische Journalisten Verband" und die "Deutsche Journalistenschule" sind zusammengekommen, um gemeinsam mit freien Journalisten, dem Vorsitzenden des DJV, dem Chefredakteur der "Frankfurter Rundschau" dem Intendanten von "Deutschland Radio" sowie dem Präsidenten der BLM (Bayerische Landeszentrale für neue Medien) unter der Leitung von Dr. Wolfgang Herles (Redaktionsleiter "aspekte", ZDF) zu diskutieren, wie es um die freien Journalisten steht. Erörtert wurden die Probleme, die der hart umkämpfte Markt mit sich bringt. Neben einem Abriss der allgegenwärtigen Situation wurden Forderungen an den Gesetzgeber, die Verleger und Agenturen gestellt, die dem freien Journalisten zu einer besseren Arbeitssituation und der Branche zu einer nachhaltigen Medienpolitik verhelfen sollen. Wie es derzeit auf dem Markt aussieht, lässt sich in beeindruckend negativen Worten umschreiben. Die Zahl der festen Mitarbeiter schrumpft überall da, wo Rationalisierung an der Tagesordnung steht. "Outsourcing" ist längst in allen Redaktionen kosteneinsparende Maßnahme geworden, um aus ökonomischer Sicht effizient zu bleiben. Besonders in den Printmedien finden sich ehemals feste Mitarbeiter schnell als freie Journalisten wieder, die sich untereinander in einem nahezu "kriminellen" Wettbewerb befinden, denn der Markt ist hart und der Wettbewerb bestimmt das Honorar. Qualität vs. QuantitätUnter diesem wirtschaftlichen Druck leidet nicht nur die Lebensqualität derer, die sich selbst und eine Familie zu unterhalten haben, sondern auch die Qualität in den Medien. Wo an jeder Ecke, die vom Markt geförderten freien Journalisten, mit schlechten, ungenügend recherchierten Geschichten aufwarten, kann man sich mit einem wochenlang recherchierten Artikel, der Kosten, Zeit und ein gewisses Maß an journalistischem Talent gefordert hat, nicht mehr etablieren. Regionale Zeitungen werden so in ein Qualitätstief getrieben, was dazu führt, dass die Leser langsam ausbleiben. Sachthemen, welche die Allgemeinheit interessieren sollten, weichen immer öfter dem Sensationsjournalismus. Lautenbach: "Durch das Tal der Tränen sind wir hoffentlich bald durch"Ernst Elitz fordert daher die angemessene Bezahlung der Journalisten. Denn wer stetig im Hinterkopf die Probleme der sozialen Absicherung wälzt, kann nicht qualitativ gut schreiben. "Würde man Journalisten wieder anständig bezahlen" so Elitz, "würde man sehen wer gut ist und wer nicht. Dann würde auch die Qualität wieder steigen".
Um Lösungen, wie die Standardisierung der Honorare, ist der DJV bis jetzt vergeblich bemüht. Bereits bestehende Gesetze über verbindliche Honorare sind eine Farce, weil sich die Verleger nicht darum scheren. So werden Dumpingpreise vorerst Gang und Gebe bleiben und sich freie Journalisten über kurz oder lang nach attraktiveren Branchenbereichen umsehen müssen. Rolf Lautenbach (DJV) fürchtet daher um seinen Berufsstand: "Was machen Redaktionen, wenn Sie irgendwann einmal aus dieser Krise kommen und wieder Festangestellte brauchen, sich viele Freie aber anders orientiert haben!?". Dies alles, wie auch die mangelnde Sicherheit, die "eisernen Klammern" des Arbeitsrechts, die Konkurrenz des Internets zu den Printmedien, die Verjüngung der Redaktionen sind Problemfaktoren, die es gilt weiter zu fokussieren und in mühsamer Arbeit in eine positive Struktur für Journalisten und Redaktionen zu bringen. Flexibel in die ZukunftFür die Zukunft wird die Stärkung der Rechte für freie Mitarbeiter gefordert, sowie die Lockerung des starren Arbeitsrechtes. Medien, die sich ausschließlich auf den Printbereich konzentrieren, müssen sich umorientieren, um Ihre Chancen nicht gänzlich zu verspielen. Von Verbänden und Rundfunk werden Seminarangebote eingefordert, damit Journalisten künftig noch besser branchenübergreifend agieren können. Weil es heutzutage notwendig ist in allen Bereichen "fit" zu sein, müssen freie Mitarbeiter möglichst flexibel auftreten können, daher am besten auch in anderen Branchenbereichen wie Radio und Rundfunk versierte Kenntnisse haben. Was man den jungen Journalisten raten solltePatentrezepte gibt es natürlich nicht, außer, dass Sie sich in allen Bereichen bestens auskennen, möglichst sämtliche erdenkliche Seminare besucht haben sollten und auf jeden Fall thematisch, räumlich und zeitlich flexibel sein müssen. Obgleich sich "die Dinge auch grade wieder verbessern", sollten sie ein zweites oder drittes Standbein ins Auge fassen und bei Ihrer Themenwahl unbedingt auf die Schnittmenge achten. Wenn Sie es dann noch vermeiden sich zu spezialisieren, um nicht nach "zwei ganz erfolgreichen Jahren" zu merken, dass auf einmal niemand mehr Interesse an Ihrem Thema hat, weil es eigentlich schon vor einem halben Jahr keinen mehr tangierte und Sie sich trotz allem noch "das richtige Feuer" bewahrt haben, dann...ja dann werden auch Sie in den Genuss kommen, zu erkennen, dass Ihr Kapital "Ihre Ideen und Ihr Mut" sind. Stefan Banas, 23.10.2003 |
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