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Profi-Features auf der Basis von erfolgreichen
Amateurkameras
trifft man etwa an der Sony PD150 an. |
Wer eine 3-Chip Amateur-Kamera im Mini-DV-Format sein Eigen nennt, kann damit
im Prinzip Videofilme für professionelle Verwertung drehen. Filme, die mit
kleinem Budget entstehen und sendefähig sind.
Die Fernsehanstalten investieren aus Ersparnisgründen verstärkt in
Profigeräte auf Mini-DV Basis, wie etwa die Sony PD 170, die Canon XL 1
oder die Panasonic AG-DVX 100. Neue Berufsbilder wie der Videoreporter sind
durch diese kompakten Geräte überhaupt erst denkbar. (Ob das
wünschenswert ist,
steht auf einem anderen Blatt.)
Vor allem für Nachrichten, Reportagen
oder Kurzbeiträge werden die kleinen Kameras immer öfter eingesetzt. Aber
auch im Szenischen Bereich greift man bereits zu den kompakten
Bildmaschinen.
Allerdings sollte man die Stärken und die Schwachpunkte der Kameras und
des Formats kennen, um ein optimales Ergebnis erzielen zu können. Hier
einige Stichpunkte, die sich teils als Wunschzettel, teils als Manifest lesen
lassen. Den Geräteherstellern sind viele dieser Punkte bewusst, allein die
Not, sich von den deutlich teureren Vollformat DV- Profigeräten abzusetzen,
hat bisher dafür gesorgt, dass viele Fragen offen bleiben.
Schwachstellen
1. Schwierigkeitsgrad- Die Schärfe
lässt sich nur sehr schwer im Sucher oder dem Display beurteilen.
Eigentlich muss das Bild schon extrem unscharf sein um den Eindruck
knackiger Schärfe auf dem Display zu zerstören. Häufig weicht der
auf dem Display dargestellte Ausschnitt vom
aufgezeichneten Bildausschnitt ab.
2. Die Optik verfügt über keinen echten Schärfering und keine Skala.
Auch die Blende lässt sich häufig nicht fein
genug stufen. Je mehr Zwischenschritte es gibt, desto besser.
3. Die Reserven des Formats tendieren gegen Null. Deshalb kann es
leicht zu Drop-Outs kommen. Das ME-Bandmaterial arbeitet mit 8 Bit
Quantisierung und komprimiert dank Algorythmen wie DCT um den Faktor
5:1
4. Die mitgelieferten Sonnenblenden möchte man gerne durch echte
Kompendien ersetzen.
5. Die Toneingänge als 3,5mm Miniklinke sind eine Katastrophe, die
Adapter auf XLR häufig störanfällig.
6. Die Farbauflösung ist mit 4:2:0 schlechter als sie bei S-VHS
oder Hi8 war, ein deutlicher Rückschritt, der sich bei der
Farbkorrektur von DV Material schmerzlich bemerkbar macht. Gegenüber
professionellen Fernsehformaten ist die Farbauflösung um 50% reduziert.
Das erhöht das Grundrauschen und erschwert farbsensible Aufgaben wie etwa
Chromakeying, welches für
Stanztricks aller Art benötigt wird. (Lediglich DVCPro 50 bietet hier
bessere DV- Farbauflösung).
7. Die Möglichkeiten der Bildbeeinflussung sind häufig sehr begrenzt.
Justagemöglichkeiten wie Gradation, Black
Strech fehlen fast immer und bleiben Profikameras vorbehalten.
8. Die Zoomwippen erlauben zumeist nur zwei Geschwindigkeiten, schnell
oder langsam, dazwischen gibt es nichts.
9. Profi Mini-DV Kameras basieren zumeist auf den Amateurversionen.
Häufig sind die professionellen XLR Buchsen vor dem oberen Tragegriff
angebracht, eine ungünstige Position um von dort aus zwei Mirkofonkabel
von der Kamera herabbaumeln zu lassen.
10. Bisher bietet nur eine einzige Mini-DV Kamera (Panasonic AG-DVX
100) einen echten Vollbild-Modus
an, Voraussetzung für eine Treppenfreie Ausbelichtung auf Film.
Archivierungs-Tipp: Mastering auf Digi Beta oder D9 ist sehr zu
empfehlen, da ist auch die Archivierung über einen längeren Zeitraum zu
gewährleisten.
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Professionelle Einstellmöglichleiten für den
Ton |
Grundsätzliche Vorzüge:
1. Das Bandmaterial ist berauschend günstig. Eine 60 Minuten-Kassette
ist beim Discounter für 3 Euro zu haben.
2. Man kann diesen Standard fast überall auf der Welt antreffen und
Kassetten nachkaufen. Sie sollten trotzdem nicht der Versuchung erliegen,
zuviel Material zu drehen, die Strafe folgt sonst im Schneideraum, wo
Cutter in Bilderfluten ertrinken können.
3. Das unauffällige Kameraequipment erlaubt eine sehr zurückhaltende
Drehweise. Dokumentarische Aufnahmen kann man damit viel authentischer
machen als mit einer großen Beta- oder DigiBeta Kamera.
4. Die Kameras sind leicht und handlich, damit sind sie die idealen
Reisebegleiter. Im Ausland kann man häufig ohne offizielle
Drehgenehmigung einfach als Tourist seine Aufnahmen machen, was völlig
andere Arbeitsmöglichkeiten eröffnet.
5. Spontaneres Drehen ist möglich, kleine Teams können sich mit ihren
Schauspielern "on the fly" in eine gegebene Realität begeben
und Spielfilmszenen drehen. Wählt man hingegen eine professionelle Kamera
im DV- Format gehen die vorgenannten Vorteile sofort wieder verloren. Die
Kameras werden groß, schwer, sperrig und fressen Akkuenergie.
6. Die Möglichkeit, einen Film zu drehen, bleiben nicht mehr wie
früher den finanzkräftigen Produktionsfirmen vorbehalten. Das Format hat
die Produktionsmittel demokratisiert.
7. Schnittprogramme für DV erlauben per Firewire
ohne Digitalisierungskarten die direkte verlustfreie digitale
Überspielung des gedrehten Materials auf den Schnittcomputer.
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Vorsatzlinse für Weitwinkel |
Indie-Format
Letztlich ist DV dass was in den 60er, 70er Jahren Super
8 war mit dem entscheidenden Unterschied, dass die Ergebnisse
professionell weiterverarbeitet werden können. Entsprechend unterschiedlich
ist aber auch die Qualität der Ergebnisse. Eine Kamera in der Hand macht
noch keinen gestaltenden Filmemacher aus.
Auch wenn das Material günstig ist, Sie sollten sich jede Aufnahme gut
überlegen und dafür, als wäre es Film, genau den optimalen Standpunkt und
Ausschnitt auswählen. Man sollte auf jeden Fall versuchen, ohne Automatik
zu arbeiten.
Auch wenn die wenigsten dieser Mini-DV Profis Wechseloptiken
zulassen, so kann man mit zum Teil zum Lieferumfang gehörenden Vorsatzlinsen
die Palette an Brennweiten etwas erweitern.
Belichtung und Tonpegel sollten unbedingt
manuell eingestellt werden. Sonst pumpt bei Bewegungen oder
Helligkeitsunterschieden dauernd die Helligkeit und der Ton wird lauter und
leiser. Anders der Autofocus, wenn man keinen vernünftigen Schärfering an
der Optik und keinen guten Kamerassi
neben der Kamera hat, ist meistens die Schärfeautomatik
sinnvoller.
Finger weg von niedlichen Zusatzeffekten wie Auf / Abblende,
Titelgenerator in der Kamera etc. All das sind Spielereien, wenn derartiges
benötigt wird, bearbeitet man das in der Postproduktion.
Will man professionell schneiden, so kann es problematisch sein, dass die
Mini DVs bei jedem Ausschalten der Kamera Timecode-sprünge
erzeugen. Man kann dies umgehen indem man das ganze Material durch
Überspielen etwa auf DigiBeta mit einem neuen Timecode versieht und danach
erst in einen Online Schnittplatz einspielt. |