Schwarzweiß
Lichttechnik
Nur noch wenige Kameraleute beherrschen die Kunst der
Schwarzweiß-Ausleuchtung. Die Lichttechnik, über Kontraste den Blick des
Zuschauers zu lenken, die Bildkomposition
zu unterstützen, unterscheidet sich grundlegend von der im Farbfilm.
Es sind auch meistens arrivierte Regisseure, die es noch riskieren einen Film
auf Schwarzweiß zu drehen, ganz abgesehen davon, dass die Material- und
Kopierwerkskosten dadurch über denen von Farbe liegen.
Technische Mängel?
Schwarzweiß bedeutet, seit unsere Übertragungstechnik und die
resultierenden Sehgewohnheiten „von Kopf bis Fuß“ auf Farbe eingestellt
sind, keine technische Beschränkung mehr, wie bis vor etwa 40 Jahren,
sondern eine Stilisierung. Sie schafft in einer oft allzu bunten Welt wieder
den künstlerischen Abstand zur gewohnten Wiedergabe.
Mitten in der Blütezeit des Farbfilms und Farbfernsehens haben Kinofilme
und Fernsehreihen – wie etwa die erste Heimat-Staffel von Edgar
Reitz – Schwarzweiß eher als Indikator für historische Zeitbezüge
verwendet. Woody Allen hat mit “Manhatten“ (USA 1979) zu einem
recht frühen Zeitpunkt in einer modernen, heutigen Geschichte mitten in die
bunte Kinowelt gemeinsam mit Kameramann Gordon Willis ein
künstlerisches Zeichen gesetzt. Regisseure wie Wenders holten sich gar
Schwarzweiß-Altmeister wie den Kameramann Henri Alekan.
So traurig es ist, aber die Produktion von kommerziellen Kinofilmen in
Schwarzweiß ist heutzutage häufig genug gänzlich unmöglich. Insbesondere
der Vertrieb wird durch neu gedrehte reine Schwarzweißfilme stark
eingeschränkt. Videoauswertung oder bestimmte Verwertungsgebiete sind für
Schwarzweißfilme gänzlich verschlossen. Viele Videokunden empfinden
Schwarzweißfilme, die nicht ausgewiesene Klassiker sind, als minderwertiger.
Farbe für
Schwarzweiß
Dies kann manchmal zu interessanten Lösungen führen. So wurde etwa “The
Man Who Wasn‘t There“ (USA 2001) der Coen-Brüder zwar in
Schwarzweiß in die Kinos gebracht, aber auf Farbnegativ gedreht und in
einigen Märkten in Farbe auf Video herausgebracht.
Dies stellt eine besondere Herausforderung dar, denn schließlich ist
Farbmaterial zunächst einmal ganz anders aufgebaut als Schwarzweißnegativ.
Es stellte sich aber heraus, dass die S/W-Negative grundsätzlich körnigere
Bilder lieferten, als die Farbnegative, ein Ergebnis der ungleichen
Entwicklungsinvestitionen bei der Herstellung neuer Materialien.
Bei der richtigen Kombination von Farbnegativ mit speziellem S/W-Printmaterial
ergeben sich sogar schärfere Bilder und besseres Kontrastverhalten als bei
purem Schwarzweißnegativ.
Der Trick besteht darin, einen weich arbeitenden Farbnegativ-Film (low-contrast)
– z. B. Kodak Vision 320T (5277) – auf ein hart arbeitendes (steile Gradationskurve)
Schwarzweißmaterial – z. B. High Contrast Panchromatic Film (5369)
– zu kopieren. Letzteres wird üblicherweise für Titel verwendet.
Ganz neu ist die Idee nicht. Bereits in den Achtziger Jahren hatte die
Firma Ilford für die Fotografie einen Schwarzweißfilm auf Farbfilmbasis
herausgebracht. Wichtig für die Dreharbeit ist es, bereits die Muster (Dailies)
auf dem Schwarzweißmaterial zu betrachten, um eine klare Information über
die Lichtgestaltung und die notwendige Kontinuität zu bekommen.
Speziell der vom Farbfilm gewohnte Umgang mit Farbtemperaturen ist eine
mögliche Fehlerquelle. So führt die im Farbfilm übliche Verwendung von
eher bläulichem Licht für Nachtaufnahmen zu ganz anderen Ergebnissen in
Schwarzweiß.
Material und Bearbeitung
Inzwischen gibt es nur noch eine begrenzte Anzahl von Schwarzweißfilmen
auf dem Markt. Agfa, Kodak, Ilford und Orwo (FilmoTec, Wolfen) bieten
noch die wichtigsten Empfindlichkeiten sowie einige Spezialfilme (Infrarot,
Umkehr, panchromatisch) an. Leider ist inzwischen auch bereits viel Know-how
rund um Schwarzweiß in den Kopierwerken verloren gegangen. Die heutigen
Schwarzweißfilmer sind also auf eine gewisse Art fast wieder das, was auch
die ersten monochromatischen Filmer waren: Pioniere.
Wer sich von den Arbeiten fotografischer „Schwarzseher“ inspirieren
lassen möchte, findet im Web zahlreiche Bildergalerien.
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