Langsam gerät es in Vergessenheit, aber bis vor einem halben Jahrhundert
war die Vorführung von 35 mm-Kopien keine ungefährliche Sache. Alte
Filmprojektoren, bei denen die Filmspulen in geschlossenen Kammern laufen,
Feuerschutzschieber zum Vorführraum, Stahltüren und Metallschränke zur
Aufbewahrung der Kopien bezeugen diese Ära des Films noch in manchem alten
Vorführraum.
Die frühen Filmnegative und Kopien wurden auf der Basis von Nitrofilm
hergestellt. Wenn dieser etwas älter war, wurde er extrem leicht
entflammbar. Deshalb waren die Sicherheitsvorschriften entsprechend streng
und die Vorführung solcher Filme z. B. in Schulen verboten. Wurden die
Kopien zu warm, gingen sie in Flammen auf.
Zahlreiche Brände erhöhten den Druck auf die Filmindustrie, Alternativen
zu entwickeln. Diese entstanden in Form von Sicherheitsfilm (safety
film) zunächst für den Heim-, und Schulbereich im 16 mm-Format. Das
Trägermaterial war zunächst Biacetat, später dann Triacetat und wurde auch
für 35 mm zum Standard.
Die Vorführung von Nitrofilmen wurde mehr und mehr reduziert, und auf
wenige Kinos (Filmmuseen etc.) beschränkt. Vor der Vorführung einer
Nitrokopie prüft der Vorführer, ob diese noch lauffähig ist. Dazu wird ein
kleines Stück des Films abgerissen und angezündet. An der
Brenngeschwindigkeit kann er ablesen, ob man den Film noch projizieren kann
oder nicht.
Aus diesen Gründen wurden die meisten ursprünglichen Nitrofilme nach und
nach auf Sicherheitsfilm umkopiert. Andere, die nicht auf diese Weise
behandelt wurden, sind verloren gegangen.
Heutige Materialien
Die heute üblichen Trägermaterialien sind Acetat und seit etwa
zwei Jahrzehnten auch Polyester. Beide sind nicht entflammbar,
unterscheiden sich aber in ihren Eigenschaften. Beide haben Vor-, und
Nachteile, auf die wir im Folgenden eingehen wollen:
Während Acetatfilm reißen oder brechen kann, hält Polyester stand,
kann sich unter Belastung aber dehnen. Diese Stabilität, die zunächst
nach Vorteil (längere Haltbarkeit der Kopie) klingt, kann aber, wenn es
Probleme im Projektor gibt, wichtige mechanische Bestandteile des
Projektors zerstören. Acetatfilm würde in der gleichen Situation einfach
nur reißen.
Deshalb wird als Aufnahmematerial in den Kameras auch Acetatfilm
verwendet, Polyester könnte das gesamte Greiferwerk einer Kamera
zerstören. (Einzige Ausnahme: Spezielle Filme für High-Speed Kameras bei
denen das Material mit hoher Geschwindigkeit durch Spezialkameras rast und
entsprechend stabil sein muss. Diese Kameras sind mechanisch auch für
Polyester geeignet.)
Polyesterfilm ist dünner und leichter als Acetatfilm. Dadurch kann man
auf einer Filmspule mehr Filmmeter unterbringen. Das reduziert Gewicht und
damit Transportkosten.
Acetat kann man mit Filmkleber (Filmzement) kleben, Polyester kann man
nur trocken (mit Klebeband) kleben. Acetatfilm kann mechanische
Beanspruchung nicht so lange überstehen wie Polyesterfilm. Man muss also
bei häufigen Vorführungen die Acetatkopien früher erneuern.
Polyester kann sich bei geringer Luftfeuchtigkeit leicht statisch
aufladen, das kann zu Problemen bei der Abwicklung des Films von der Spule
führen. Besondere Erdung und Luftbefeuchter sollen in Vorführkabinen
helfen, das Problem zu lösen.
Wie erkennt man eine Acetat oder Polyester Kopie?
Man kann den Reißtest am Anfang oder Ende der Kopie machen. Lässt sich
der Film reißen, ist es Acetat.
Man kann die Filmspule seitlich, also mit Blick auf die zahlreichen
Wicklungen, gegen das Licht halten. Ist das Trägermaterial transparent, ist
es Polyester, ist es dunkel, Acetat.