Der frühe Vogel
fängt das Licht...
Es hat sich herumgesprochen, dass man beim Film möglichst viel Licht zur
Verfügung haben möchte. Doch geht es wirklich nur um die Lichtmenge?
Dann könnte man Filme doch am besten im Sommer mitten unter praller Sonne
drehen. Tatsächlich aber haben selbst die Filmnationen, die geografisch mit
besonders viel Sonne ausgestattet sind, so ihre Probleme mit der Lichtfülle.
Mit Reflektoren und Butterflys
versucht man dem starken Sonnenlicht seine Härte zu nehmen und
Schattenbereiche aufzuhellen.
Es kommt eben auf etwas mehr an als nur die Helligkeit. Faktoren wie die
Richtung, die Weichheit oder
Härte des Lichtes und die Länge der Schatten spielen eine sehr wichtige
Rolle. Erfahrene Kameraleute wissen bei Aussenaufnahmen das weiche Licht der
Morgen-, und Abenddämmerung zu schätzen. Da erhalten sie ein besonders
plastisches Streiflicht. Wenn der Charakter und die Dauer der Arbeit an einer
Einstellung oder kurzen Szene es erlauben, sollte man stets versuchen, das
zauberhafte Licht des Morgens zu nutzen.
Ist man statt dessen eher an hoher Farbsättigung und stärkeren
Kontrasten interessiert, ist Auflicht angesagt, anzutreffen vor und nach der
Mittagszeit.
Wo ging noch mal die Sonne auf?
Eigentlich sollte man es noch aus der Schule wissen, doch am Set
spätestens entstehen immer wieder Fehler weil genau diese Basice in
Vergessenheit geraten sind. Oft werden Motive besichtigt und abgenommen, bei
denen ein schönes natürliches Licht, Regie und Ausstattung gefällt. Die
Besichtigung war Nachmittags. Der Drehtag kommt, die Szene soll an dem
betreffenden Motiv Morgens gedreht werden, und zur allgemeinen Überraschung
liegt das Motiv gänzlich im Schatten. Schade eigentlich.
Nur noch mal zur
Erinnerung: Die Sonne geht in unseren Breiten im Osten auf, erlebt ihren
Höchststand um die Mittagszeit im Süden (auf der Südhalbkugel der Erde im
Norden!) und geht im Westen unter. Drehpläne werden immer wieder umgestellt,
man kann nicht jedes Mal ans Motiv fahren und nachschauen, wie das Licht zu
einer bestimmten Uhrzeit einfallen wird. Dafür ist eine kleine Skizze, auf
der man die Richtungen (Kompass) einzeichnet, sehr hilfreich.
Dass die Erde im Verlauf eines Jahres die Sonne auf einer eliptischen Bahn
umrundet, ist gemeinhin noch bekannt. Den sich ändernden
Einstrahlungswinkeln der Sonne verdanken wir die Jahreszeiten.
Drehplan und Sonnenstand
Dass die Erde sich alle 24 Stunden einmal um die eigene Achse dreht, und
auf diese Weise während ihrer Jahresbahn um die Sonne Tag und Nacht erzeugt,
können wir auch noch getrost zum Allgemeinwissen zählen.
Etwas spezieller ist
aber der Umstand, dass die Erde dies nicht einfach so auf einer senkrechten
Achse tut, sondern mit einer kräftigen Schräglage von 23,5 Grad.
Diese ist dafür verantwortlich, dass die Sonne nur innerhalb des
Südlichen und nördlichen Wendekreises (jeweils 23,5 Grad nördlich oder
südlich) mittags senkrecht im „Zenit“ steht.
Ausserhalb dieser Wendekreise steht die Sonne nie senkrecht im Zenit.
Logisch, dass es innerhalb dieser Wendekreise ganzjährig sehr warm und hell
ist.
Für die Dreharbeiten wichtig sind Informationen über Sonnenaufgang,
Höchststand (Zenit) und Untergang. Diese sind abhängig vom Breiten-, und
Längengrad sowie dem Datum. Für München Mitte August etwa gilt ein
Sonnenaufgang 5:09 Morgens, Sonnenhöchststand ist um 12:18 und der
Sonnenuntergang um 19:28.
Wer den Sonnenstand für seinen Drehort individuell abfragen möchte, kann
dies im Internet recht komfortabel tun: Cactus2000 Photovoltaik
BBS II Emden Erde
und Sonne
Wenn Sie Ihren Drehtag für ausgewählte Aussenshots nach der Sonne
richten, kann es sein, dass Sie mit dem frühen Aufstehen Ihr Team nicht
gerade besonders erfreuen. Doch vielleicht gelingt es Ihnen ja dafür mit dem
Resultat Ihre Zuschauer um so mehr in Begeisterung zu versetzen? |